Milcheiweißallergie - Infos über die Milchallergie

Milchallergie wird häufig mit Laktoseintoleranz in einen Topf geworfen. Das ist jedoch nicht richtig. Laktoseintolerant sind Menschen, die Schwierigkeiten bei der Verdauung von Milchzucker (= Laktose) haben (siehe Milchunverträglichkeit). Milchallergie ist die Kurzform für Milcheiweißallergie und bezeichnet eine Lebensmittelallergie auf das Eiweiß in der Milch. Da in der Kuhmilch unterschiedliche Proteine vorkommen, kann sich die Allergie entweder auf alle Proteine oder nur auf eine bestimmte Eiweißgruppe beziehen.

Die Proteine der Milch werden in Casein und Molkeneiweiß unterteilt. Dabei ist zu beachten, dass die Molkenproteine (dazu gehören Alpha-Laktalbumin und Beta-Laktoglobulin) hitzeempfindlich reagieren. Das heißt, ab einer Temperatur von 77 Grad werden sie zerstört. Das Casein jedoch ist hitzestabil und kann bis zu 120 Grad erwärmt werden.

Ein weiterer gravierender Unterschied besteht in der Bezeichnung Allergie. Während bei einer Allergie das menschliche Immunsystem reagiert und der Körper Antikörper bildet, ist dies bei der Unverträglichkeit (Intoleranz) nicht der Fall. Die Symptome der Milchallergie und der Milchunverträglichkeit können jedoch sehr ähnlich ausfallen.

Milcheiweißallergie

Unter Milcheiweißallergie fällt sowohl die Allergie gegen Casein, wie auch die Allergie auf Molkeneiweiß:

  • Weil das Molkeneiweiß ab einer Temperatur von 77 Grad zerstört wird, vertragen Allergiker, deren Immunsystem sich nur gegen Molkeneiweiß wehrt, die ultrahocherhitzte H-Milch oft besser. Außerdem sind die Molkeneiweiße artenspezifisch. Das heißt, dass der Allergiker oftmals das Molkeneiweiß der Kuhmilch nicht verträgt, aber Ziegenmilch oder Schafsmilch problemlos genießen kann.
  • Wer auf Casein allergisch reagiert, muss häufig auf sämtliche Milchprodukte verzichten. Denn Casein ist nicht tierspezifisch und außerdem bis zu 120 Grad hitzebeständig.
  • Weitere Infos zu den Proteinen der Milch finden Sie auf der Seite Milcheiweiß

Auch wenn die Kuhmilch mit zu den häufigsten Auslösern einer Lebensmittelallergie zählt, sind dennoch höchstens sieben Prozent aller Kleinkinder unter zwei Jahren von einer Milcheiweißallergie betroffen. Bei den Erwachsenen wird der Prozentsatz der Milchallergiker auf circa 1,2 Prozent geschätzt.

Ob ein Baby von der Milcheiweißallergie betroffen ist, kristallisiert sich meist schon in den ersten sechs Monaten heraus, spätestens wenn die Mutter mit dem Zufüttern beginnt. Weil der Verdauungsapparat beim Säugling sich erst mit der Zeit stabilisiert, ist es häufig der Fall, dass sich die Milchallergie nach den ersten Lebensjahren wieder verliert. Es sollte daher alle sechs Monate ein erneuter Allergietest erfolgen.

Beim Erwachsenen lässt sich die Milcheiweißallergie in manchen Fällen durch eine langsame, schrittweise Desensibilisierung beheben. Dabei muss der Betroffene täglich eine geringe Menge Milch zu sich nehmen. Diese Milchration wird langsam gesteigert, bis der Allergiker bei 250 Millilitern pro Tag angelangt ist. Wenn er diese Menge verträgt, ist die Desensibilisierung geglückt.

Milcheiweißallergie: Symptome

Die Milcheiweißallergie macht sich durch sehr unterschiedliche Symptome bemerkbar:

  1. Sie kann sich auf den Verdauungstrakt niederschlagen und mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfällen und Koliken einhergehen.
  2. Auch an der Haut kann sich die Milcheiweißallergie zeigen. Es entstehen Schwellungen an Haut und Schleimhäuten und es bilden sich Ekzeme. Bei Kindern kann es außerdem zu Juckreiz kommen und zu einem Kribbeln im Mund.
  3. Wenn die Atmungsorgane in Mitleidenschaft gezogen werden, leiden die Allergiker unter Asthmaanfällen.
  4. Im schlimmsten Fall ist das Herz-Kreislaufsystem betroffen und es kommt zum anaphylaktischen Schock.

Üblicherweise treten die Symptome bei der Milcheiweißallergie sofort oder innerhalb von zwei Stunden auf. Es kann jedoch auch vorkommen, dass sie sich erst nach 48 Stunden zeigen und in ganz seltenen Fällen kommt es erst nach einer Woche zum Auftreten der allergischen Beschwerden.

Milcheiweiß

Milcheiweißallergie: Diagnose

Die Diagnose zur Milcheiweißallergie kann der Arzt anhand unterschiedlicher Faktoren stellen. Durch die Befragung des Patienten kann er feststellen, ob eine erbliche Vorbelastung zu Allergien vorliegt. Außerdem kann er mithilfe eines Ernährungs- und Symptomtagebuches, das der Patient über zwei bis vier Wochen führt, feststellen, ob eventuell ein Zusammenhang zwischen bestimmten Lebensmitteln und den auftretenden Symptomen besteht.

Eine weitere Möglichkeit die Milcheiweißallergie zu diagnostizieren, besteht darin, dass der Arzt eine Eliminationsdiät verordnet. Dann muss der Betroffene über einen bestimmten Zeitraum auf Kuhmilch und alle Milchprodukte konsequent verzichten. Bilden sich danach die Symptome zurück wird der Arzt die Diagnose Milchallergie anhand eines Tests manifestieren.

Tests: Er wird einen Tropfen Milcheiweißlösung auf den Unterarm des Patienten träufeln und die Haut leicht einritzen. Bei einer vorhandenen Milchallergie macht sich schon nach wenigen Minuten eine Rötung bemerkbar. Ein weiterer Test besteht in einer Blutuntersuchung. Weist das Blut bestimmte Antikörper auf, ist eine Milcheiweißallergie wahrscheinlich.

Tipps für Allergiker

  • Wenn es sich bei dem Allergiker um einen Säugling handelt, ist es selbstverständlich, dass die stillende Mutter ihre Ernährung umstellt und auf Milchprodukte verzichtet. Für Kleinkinder gibt es spezielle Babynahrung, die auf das Problem abgestimmt ist. Auf jeden Fall sollten Sie jedoch gerade bei Kleinkindern die regelmäßigen Untersuchungen nicht versäumen, denn nur so lässt sich feststellen, ob sich die Milcheiweißallergie eventuell zurückgebildet hat.
  • Wer auf alle Milchprodukte verzichten muss, sollte nicht versäumen das für den Knochenaufbau so wichtige Kalzium durch kalziumhaltiges Mineralwasser und kalziumreiche Gemüsesorten (Grünkohl, Brokkoli) zu sich zu nehmen.
  • Allergiker, die nur schwach auf Casein reagieren, können eventuell Sahne und Butter vertragen, weil dieser Proteinanteil in diesen Milchprodukten relativ niedrig ist. Als Alternative zur Milch bietet sich hier eine Mischung aus Sahne und Wasser an.
  • Sojamilch und Sojaprodukte sind leider oft kein Ersatz, die der Milcheiweißallergiker nutzen kann, da diese Produkte von Allergikern meist ebenfalls schlecht vertragen werden. Stattdessen werden Reismilch, Mandelmilch und Kokosmilch als Milchersatz empfohlen.

Allergiker, die ihre Ernährung komplett ohne Milchprodukte gestalten müssen, sollten bei folgenden Lebensmitteln besonders aufpassen:

  1. Brot, denn es kann mit Milch bepinselt sein.
  2. Kartoffelpüree enthält oft Milchpulver.
  3. Frikadellen, denn üblicherweise wird das darin enthaltene Brot in Milch eingeweicht.
  4. Bratwurst, Brühwurst, Streichwurst oder Pasteten enthalten ebenfalls häufig Milchpulver.
  5. In vielen Nuss-Nugat-Cremes und in den meisten Schokoladen ist Milchpulver enthalten.
  6. Fertige Salatsoßen können ebenso wie Mayonnaise unter Verwendung von Milch hergestellt sein.